Man stelle sich einen alten Nussbaum am Ende des Herbstes vor. Die Nüsse sind aufgelesen, das Laub hat Tabak- und Haselnusstöne angenommen, und der Baum sinkt langsam in den Winterschlaf. Genau diesen Moment zwischen Fülle und Ruhe hat der Griff festgehalten: ein Wurzelholz in warmen, tiefen Tönen, gesprenkelt wie ein Teppich aus Laub, in dem die Jahreszeit noch verweilt und das Licht schon sinkt. Ein Holz, das nichts mehr beweisen muss, das Jahr um Jahr Früchte getragen hat und sich jetzt zurückziehen darf, um zu träumen.
Und der Nussbaum träumt. Sein Traum verlässt das Holz und wandert in den Stahl: Das ist das Rankenwerk der Feder, belaubte Voluten, die wie Traumbilder eine aus der anderen hervorgehen, geschmeidig und ohne erkennbaren Anfang oder Ende. Alles Grün, das der Baum in diesem Jahr nicht mehr tragen wird, zeichnet er Blatt für Blatt ins Metall, mit der Gelassenheit von etwas, das keiner Jahreszeit mehr gehört. So wird der Stahl zur Fortsetzung des Holzes, zu seinem wachen Gegenüber.
Genau in der Mitte des Messers nimmt der Traum Gestalt an. Wo Feder und Mittelbacke sich kreuzen, öffnet sich eine vierblättrige Blüte, in ihrem Herzen ein polierter Lichtpunkt wie ein Tautropfen, der den Morgen überdauert hat. Es ist die Blüte, die der Herbst nicht mehr hervorbringen kann und die der Traum an seiner Stelle wachsen lässt, unberührt von den Jahreszeiten. Ganz oben wacht die Biene über diesen Traum, und nur sie weiß, dass diese Blüte nie verwelken wird. „Herbstlicher Nussbaumtraum“ erzählt von einem schlafenden Baum, dessen letzte Blüte den Stahl gewählt hat, um aufzugehen.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers













