Dieses Messer hat die Farbe eines Himmels ohne Mond. Das Violett im Griff sinkt ins Tintenblau und stellenweise ins Schwarze, und feine weiße Lamellen ziehen sich hindurch, dünn wie die Linien einer Sternkarte. Dazwischen brechen hier und da Funken in Fuchsia und elektrischem Blau durch, fast phosphoreszierend, wie Lichter, die man tief in der Dunkelheit gerade noch ahnt. Was hier leuchtet, sind die Lamellen eines Mammutmolars, gewachsen, solange das Tier lebte, und danach vom Frost der Steppe über Jahrtausende bewahrt.
Über diese Nacht legt das Dekor seine Geometrie, klar und ohne überflüssigen Zierrat. Auf der Feder folgen gepunzte Rauten und Lanzetten mit gegenläufigen Spitzen aufeinander, ohne die geringste Unregelmäßigkeit, und die Backen fächern das Muster zum Griff hin auf. Jedes Feld bekam einzeln seine tiefe Kontur und seinen gepunzten Grund, und sobald der Stichel angesetzt war, gab es kein Zurück mehr. Es ist eine Ordnung, kühl und still wie ein Sternbild über dunklem Land.
Ganz oben, am höchsten Punkt des Messers, öffnet sich dann die Blüte. Vier breite, gepunzte Blätter spreizen sich kreuzförmig um einen Kern, darüber zwei kleine Lappen, in derselben gekörnten Formensprache wie Feder und Backen, als hätte das Dekor auf seinem Weg nach oben zu blühen begonnen. Ein Insekt ist darin kaum noch zu erkennen, eher eine Blütenkrone, die sich dort oben in der Dunkelheit geöffnet hat, ohne dass jemand zusah. Mehr braucht „Nachtblüte“ nicht: ein Violett wie tiefer Himmel, ein paar Funken in Fuchsia, die es durchstoßen, und darüber diese Blüte aus Stahl.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers













