Jedes Pergament beginnt mit einer Haut, dieses hier mit einem Stoßzahn. Die Rinde ist die äußere Schicht des Mammutelfenbeins, der einzige Teil, der alles erlebt hat: die Stürme draußen, als die Riesen noch lebten, und danach Zehntausende von Jahren im Permafrost, wo Frost und Mineralien direkt in das Material geschrieben haben. Zeile um Zeile haben die braunen Risse die cremefarbene Seite bedeckt, ein Netz von Sätzen, das niemand je ganz entziffern wird. Es ist eine Schrift ohne Alphabet, und gerade deshalb liest man sich an ihr nie satt.
Der Messermacher hat diese Seite übernommen wie ein Mönch im Skriptorium ein kostbares Pergament, mit dem Auftrag, sie zu illuminieren. Die Ränder hat er mit den Messingsäumen der Platinen gefasst, die den Griff entlanglaufen. In die Feder hat er die Initialen ziseliert, Palmetten und perlengesäumte Mandeln. Dann hat er die Glanzlichter gesetzt, drei goldene Blüten, in den Stahl eingelegt und jede mit einem Zirkon besetzt, Eistropfen aus Stein. Zum Schluss hat er die Biene mit ihrem Flechtwerk skulptiert, als Siegel genau dort, wo die Hand es findet.
Blieb die Klinge, und sie ist der Handschrift ebenbürtig: ein rostfreier Damast, dessen konzentrische Rosetten sich in engen Ringen über die ganze Fläche ausbreiten, wie die Ringe im Querschnitt eines Baumes, nur aus Metall gewachsen. Diese Zeichnung reicht durch die gesamte Stärke der Klinge, kommt bei jedem Nachschärfen wieder zum Vorschein und existiert nur hier, denn die Lagen falten sich nie zweimal auf dieselbe Weise. „Eispergament“ vereint damit alles, was große Bücher ausmacht: eine Seite, älter als die Schrift, Illuminationen aus Gold und Stein, ein skulptiertes Siegel und ein Frontispiz aus Stahl. Dieses Buch erscheint in einer einzigen Ausgabe, und seine Bibliothek wird eine Jackentasche sein.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers












