Ein Kellnermesser aus Wacholder beginnt die Verkostung, ehe der Wein sie beginnt. Greift die Hand nach dem Griff, um die konische Spirale anzusetzen, wärmt sie das Holz, und aus der Handfläche steigt eine würzige, an Nadeln und Bergkräuter erinnernde Spur auf, die schon die Nase weckt, während der Korken noch im Flaschenhals steckt. So arbeiten Griff und Wein am selben Sinn: das Holz spricht zur Nase, während sich der Wein anschickt, es ihm nachzutun. Einen kräftigen Crozes-Hermitage mit diesem Griff zu öffnen heißt, den Duft der Hochebene und den der Rebe an einem Abend zu verbinden.
Senkt sich die Spirale in den Kork, gibt der Wacholder dem Hebel einen ruhigen, trockenen Ansatz, und die eingelegte Weintraube bleibt für die Finger unsichtbar, denn Traube und Blatt liegen bündig im Grund. Der Messermacher schneidet die Griffschalen so aus dem gewachsenen Holz, dass die astige Zeichnung und die braunen Adern ohne Bruch über die Wölbung laufen, und fasst sie zwischen zwei Backen aus Edelstahl. Die seidenmatte Fläche legt jeden Firnis ab und lässt das rustikale Wuchsbild offen liegen, sodass die helle Buchsbaum-Traube den Blick fängt, während der Wacholder ihr den warmen Grund gibt.
Ein solches Sommeliermesser aus Wacholder ist ein Geschenk mit doppelter Wurzel: verwurzelt im Aubrac durch sein Holz, verwurzelt im Wein durch seine Traube. Der Weinfreund, der es erhält, legt bei jeder Flasche ein Stück der Hochebene ans Glas, und mit jedem Korken mischt sich die harzige Spur des Holzes unter den Duft des Weins. An der kleinen Biene über dem Hebel ist das echte, in Frankreich gefügte Laguiole zu erkennen. Kein zweiter Griff trägt dieselbe astige Zeichnung, denn der Wuchs des Wacholders kehrt an keinem Stück wieder.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers















