Rot und Gelb nebeneinander, das ist keine leise Kombination. Neben einem Modell mit Backen aus Edelstahl wird der Abstand sofort deutlich. Grauer Stahl bleibt neutral, er ordnet sich dem Holz unter und hält Distanz zur Farbe. Messing macht das Gegenteil. Das Gelb rückt an das Rot heran, beide Töne stammen aus derselben warmen Hälfte des Farbkreises, und aus dem Nebeneinander wird keine Spannung, sondern eine Steigerung. Der Griff wirkt dadurch größer, als er ist, weil die gelbe Linie oben und unten die Umrisse nachzieht und das Holz dazwischen einfasst.
Im Alltag ist das ein Messer für den gedeckten Tisch und für den Rucksack. Die Klinge nimmt Brot, Käse und Wurst am Stück, die Schnecke danach die Flasche. Als Weinöffner arbeitet dieses Modell in einer klaren Reihenfolge: Kapsel mit der Klingenspitze rundum lösen, Schnecke mittig ansetzen, senkrecht eindrehen, bis die letzte Windung im Kork steckt, dann gleichmäßig ziehen. Drei Windungen greifen tief genug, dass auch ein langer Naturkorken am Stück herauskommt. Der kantige Griff dreht dabei nicht mit, weil die Flanken dem Daumen etwas zum Halten geben. Danach klappt alles wieder ein, übrig bleibt ein Griff für die Hosentasche.
Gebaut wird dieses Messer in Frankreich bei Laguiole en Aubrac, von Hand und in kleiner Stückzahl. Die Feder aus Edelstahl trägt eine Guillochierung, die bis unter die Schnecke durchläuft, also auch dorthin, wo das Muster erst beim Ausklappen zum Vorschein kommt. Am Ende der Feder wächst die massiv geschmiedete Biene heraus. Links in der Schale steht das Hirtenkreuz, dessen Nietköpfe auf dem roten Grund als helle Punkte auffallen. Ein Anschlag im Griff bremst die Klinge, kurz bevor sie ganz zuklappt. Sauber gebaut also, nur eben in einer Farbe, die sich nicht zurückhält.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers













