Violett ist in der Messermacherei eine seltene Farbe, und dieses hier hat eine besondere Tiefe. Das Holunder-Wurzelholz entfaltet einen dichten, schillernden Amethyst, der vom hellen Mauve bis ins fast schwarze Pflaumenviolett wandert, je nachdem, wie man das Messer dreht, mit goldbraunen Durchblicken, wo die Faser sich verdichtet. Eher Stein als Holz, möchte man meinen: etwas Tiefes, Mineralisches, in das der Blick eintaucht, ohne auf Grund zu stoßen. Zwischen zwei schmucklosen, satinierten Backen wird diese Farbe zur Leinwand, die nur noch auf ihr Motiv wartet.
Auf diese Leinwand hat der Messermacher sein Ornament gelegt, so wie ein Stuckateur Akanthusranken an eine Palastdecke zieht. Entlang der Feder schlagen die Blätter zu Voluten um, jeder Lappen so fein geadert, dass man Streiflicht braucht, um die Linien zu zählen, und dazwischen öffnen sich Kartuschen mit einem Grund, matt wie Sand, gesäumt von polierten Wellen. Es liest sich wie ein Musterbuch klassischer Ornamentik, auf ein paar Millimeter Breite verdichtet. Eine solche Feder entsteht nicht an einem Tag.
Oben, wo die Feder endet, verwandelt sich das Ornament. Was unten Kartusche war, wird hier Flügel, und was Blattader war, wird zur Gliederung eines Körpers. Nichts ist hinzugefügt, nichts fällt aus dem Rahmen, als wäre ein einziges Motiv vom Griffende bis zum Griffkopf gewandert. Man muss das Messer nur ein wenig drehen, damit Flügel und Kartuschen im selben matten Schimmer erscheinen. So liest sich „Akanthus in Amethyst“ in einem Zug, vom tiefen Violett des Holunders bis zu den letzten Adern des Insekts: ein Akanthusblatt, das am Stahl emporsteigt und sich oben, ganz am Ende seines Weges, als Biene niederlässt.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers













