Ein Kellnermesser aus Marshmallow Schwarz & Weiß besetzt in der Sammlung ein Feld für sich. Schwarz steht in der Messerwelt sonst für Zurückhaltung, für ruhige, geschlossene Flächen aus Ebenholz oder Horn. Dieses gegossene Acrylglas dreht die Regel um und macht aus dem Schwarz ein Schauspiel. Die weißen Adern folgen keiner gezeichneten Linie, sie sind beim Guss entstanden und im Bruchteil einer Sekunde in der Masse festgehalten worden, ein Netz aus fließenden Bahnen ohne Plan. Eine Flasche damit zu öffnen heißt, reine Fließbewegung auf den Tisch zu legen, über die kein Gestalter bestimmt hat, sondern allein die Physik des flüssigen Harzes.
Unter dem Schauspiel steckt ein sehr nüchterner Vorzug. Das dichte Acrylglas gibt dem Klappmechanismus einen ruhigen, formstabilen Sockel, der sich beim Öffnen nicht verzieht und über Hunderte von Flaschen seine Geometrie behält. Ausgehärtetes Kunstharz altert nicht, es quillt nicht und reißt nicht, und so läuft die hundertste Extraktion so sauber wie die erste. Auch die Farben bleiben, wie sie sind. Das Schwarz verliert seine Tiefe nicht, die weißen Adern wandern nicht aus, und der Kontrast steht nach zwanzig Jahren so scharf wie am ersten Tag.
Hinter dem Kontrast steht dasselbe Handwerk, das die Manufaktur ihren Edelhölzern widmet. In Frankreich bei Laguiole en Aubrac wird jede Schale einzeln in Form gebracht und poliert, ehe zwei Edelstahlbacken sie fassen, denn im Haus bestimmt nicht das Material die Güte der Ausführung, es ist die Sorgfalt bei jedem Schritt. Über dem Hebel wacht, wie an jedem echten Laguiole, die klassische Biene. Wer zu diesem handgefertigten Sommeliermesser greift, wählt ein Schwarz, das sich bewegt, und einen Griff, dessen Blitzmuster sich in keinem anderen genau so wiederfindet.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers













