Das Rot an diesem Griff ist nicht aufgetragen, sondern gewachsen. Der Grund steht kräftig, darüber ziehen etwas dunklere Streifen der Faser nach, an manchen Stellen eng nebeneinander, an anderen weit auseinander, und genau daran unterscheidet sich ein gewachsener Ton von einer Beize, die überall gleich dick aufliegt. Am Tisch hat das eine ganz praktische Folge, an die vorher selten jemand denkt: Man greift schlicht nicht mehr daneben. Im Rucksack gilt dasselbe, denn gegen dunkles Futter hebt sich dieser Griff heraus, während ein brauner darin untergeht.
Der Aufbau ist der klassische des Hauses, ohne Zutaten. Zwei Backen aus massivem Messing fassen Kopf und Fuß des Griffs, für die Platinen gilt dasselbe Metall, und darüber liegt die Feder aus Edelstahl, deren Kerben mit der Feile gezogen werden, eine nach der anderen, vom vorderen bis zum hinteren Ende. Aus dem letzten Abschnitt dieser Feder ist die Biene geschmiedet, sie ist kein aufgesetztes Teil. Die Klinge trägt die Yatagan-Form mit dem leicht ansteigenden Rücken. Beim Zuklappen trifft sie auf einen Anschlag im Inneren, der sie kurz vor der Feder anhält, damit die Schneide nirgends aufliegt.
Benutzt wird dieses Messer dort, wo täglich etwas anfällt. Am Frühstückstisch, am Abend vor dem Fernseher, draußen beim Umtopfen. Es teilt den Apfel für die Schule, es schneidet die Folie vom Käse, es geht mit in den Garten und kommt hinterher wieder herein. Dieser Betrieb arbeitet unbemerkt an der Schale mit. Die Finger schließen sich beim Schneiden jedes Mal um dieselbe Rundung, und wo das über Monate hinweg geschieht, steht der Glanz am Ende eine Spur tiefer als auf der übrigen Fläche. Der Ton ändert sich dabei nicht. Es bleibt dasselbe Rot, nur an dieser einen Stelle länger poliert als daneben.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers













