Aufgeklappt zeigt der Rücken die ganze Feilarbeit. Die Feder aus Edelstahl wird von Hand guillochiert, Zug für Zug, von einer Backe bis zur anderen, und weil keine Vorlage dahintersteht, trägt jedes Stück das Muster desjenigen, der es gefeilt hat. Enger gesetzte Kerben an dem einen Messer, weiter gesetzte am nächsten, und beide stammen aus derselben Werkstatt. Am hinteren Ende wächst die Biene aus derselben Feder heraus, geschmiedet und nicht angesetzt. Links in der Schale liegt das Hirtenkreuz. Zwischen Schneide und Feder steht beim Schließen ein verdeckter Anschlag, und diesem stillen Bauteil verdankt der Schliff, dass er nach Jahren noch taugt.
Am Tisch bewährt sich der glänzende Schliff. Was von Käse, Butter oder einer Birne an den Griff gerät, bleibt oben liegen, statt in die Faser zu ziehen, und ein Tuch nimmt es wieder ab. Fremde Küchengerüche setzen sich in einer so geschlossenen Fläche kaum fest, weshalb der eigene harzige Ton der einzige bleibt, den dieser Griff mit an die Tafel bringt. Das ist der Unterschied zu einem matt geschliffenen Wacholder, der offener steht und dafür mehr aufnimmt, im Guten wie im Schlechten. Auf einem hell gemaserten Holz wäre ein Fettfleck sonst rasch zu sehen. Hier zieht nichts ein.
Die Klinge trägt die schlanke Yatagan-Form, an der ein Laguiole von weitem zu erkennen ist: eine lange, fast gerade Schneide und eine Spitze, die leicht nach oben zieht. Am Käsebrett erledigt die gerade Strecke den größeren Teil der Arbeit, weil sie durch einen weichen Laib geht, ohne ihn zu quetschen, und die Spitze nimmt danach eine harte Rinde auf. Für Obst am Nachmittag reicht dieselbe Klinge. Zugeklappt verschwindet die Schneide vollständig zwischen den Schalen, und das Messer wandert zurück auf die Anrichte oder in die Jackentasche.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers













