An diesem Taschenmesser sitzt nichts Überflüssiges, und trotzdem fehlt keines der Zeichen, an denen ein Laguiole zu erkennen ist. Ganz hinten steht die Biene, aus einem Stück mit der Feder geschmiedet. Links hebt sich das eingelegte Hirtenkreuz hell vom dunklen Grund ab. Je Griffseite steckt darunter eine einzige Platine, mehr Stahl braucht der Aufbau nicht, weshalb der Schaft dünn bleibt und das Ganze leicht genug, um in einer Hosentasche unterzugehen. Über die volle Länge des Rückens läuft eine von Hand gefeilte Kerbenreihe, geführt bis unter die Schnecke, also auch über den Abschnitt, den der eingeklappte Korkenzieher verdeckt. Beim Schließen bremst ein Anschlag im Inneren die Klinge, bevor die Schneide unten auf Stahl trifft. Das schont die Schärfe über Jahre.
Am Tisch läuft die Reihenfolge dann meist gleich ab. Erst trennt die Klinge die Kapsel am Flaschenhals ab, danach kommt die Schnecke: mittig ansetzen, so tief eindrehen, dass die letzte Windung unter dem Kork steht, und erst dann gerade nach oben gehen. Als Weinöffner hat dieses Modell nichts, was verkanten oder brechen könnte, kein Gelenk und keinen Hebel, sondern drei Windungen und einen Arm. Alles Weitere übernimmt danach wieder die Klinge, beim Schinken, beim Käse, bei der Schnur um das Paket und bei der Folie ohne Lasche. Was dabei anstößt, nehmen die Enden auf: Die beiden Backen sind mit den Platinen verschweißt und stecken weg, was ein Tag an Tischkanten, Schlüsselbunden und Stürzen mitbringt. Ein trockenes Tuch am Ende genügt, mehr verlangt der Alltag nicht.
Zwei Griffe aus Hornspitze fallen nie gleich aus, und darin liegt der Reiz. Der eine bleibt fast durchgehend dunkel und lässt nur schmale helle Adern durch, der nächste zeigt breite Honigflächen mit ein paar schwarzen Zügen. Wie das Bild ausfällt, entscheidet die Stelle, an der die Platte aus der Spitze gesägt wurde. Beide Schalen stammen aus demselben Abschnitt, damit links und rechts zusammenpassen. Auf Glanz gebracht ist beides, das Metall an den Enden und das Horn dazwischen, und trotzdem gehen die Flächen nicht ineinander über: Der Edelstahl gibt ein kühles Grau zurück, das Horn antwortet warm und lässt an den dünnsten Kanten Licht durch. Ein Foto zeigt deshalb, wie so ein Griff aussehen kann, nicht wie er aussehen wird. Am Ende bekommt jeder ein anderes Messer.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers













