Ein Kellnermesser aus Hirschhorn besteht streng genommen nicht aus Horn, sondern aus Geweih, und das ist ein wichtiger Unterschied. Während echtes Horn aus Keratin wächst und am Tier bleibt, ist das Geweih ein Knochen, den der Hirsch jedes Frühjahr neu bildet und im Winter wieder abwirft. Diese abgeworfenen Stangen werden im Wald aufgesammelt, sodass für den Griff kein Tier zu Schaden kommt und das Material aus einem natürlichen Kreislauf stammt. Ihr Aufbau ist besonders reizvoll, denn eine dichte, fast glasige Außenschicht umschließt einen helleren, feinporigen Kern, und über allem liegt die charakteristische Perlung.
Am Weintisch bringt Hirschhorn eine warme, fast archaische Note mit, die an alte Jagdstuben und gedeckte Wildtafeln erinnert. Der helle, elfenbeinfarbene Griff setzt sich klar gegen dunkle Flaschen ab und wirkt edel, ohne dabei kühl zu sein. Die feine Perlung gibt der Oberfläche einen leisen Griff, der die Finger sacht führt, ganz ohne rau zu wirken. Über die Jahre nimmt das Geweih Handwärme und ein wenig Patina an, sodass sich sein cremiges Weiß langsam zu einem tieferen, satteren Elfenbein wandelt.
Am Ende ist es dieser Kreislauf aus Abwerfen und Nachwachsen, der das Hirschhorn zu etwas Besonderem macht, denn kaum ein Griffmaterial erneuert sich in der Natur ganz von selbst. In Frankreich sortiert Laguiole en Aubrac die Stangen von Hand, schneidet die schönsten Partien heraus und fügt die polierten Schalen zwischen die Backen, kenntlich an der klassischen Biene über dem Hebel, an der ein echtes Laguiole zu erkennen ist. Wer den fertigen Griff hält, spürt die Perlung unter den Fingern und ahnt darin ein Stück Wald, das der Hirsch Jahr für Jahr aufs Neue zurücklässt.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers















