Polieren heißt, eine Fläche so weit zu verfeinern, dass sie das Licht gerichtet statt gestreut zurückwirft. Auf einem einfarbigen Werkstoff fällt das kaum auf. Auf einem Griff mit vielen schmalen Lagen dagegen verändert es die Lesbarkeit: Jede Lage bekommt ihren eigenen Reflex, die dunklen Bänder werden tiefer, die hellen heller, und der Abstand zwischen beiden wächst. Aus derselben Abfolge von Farben wird damit ein deutlich kontrastreicheres Bild. Wer beide Ausführungen kennt, erkennt dieselbe Lagenfolge wieder und hält sie auf den ersten Blick trotzdem für eine andere Zeichnung, so weit gehen die Töne auseinander.
Für die Werkstatt bedeutet Hochglanz mehr Arbeit an einer Stelle, die man später nicht mehr korrigieren kann. Auf einer polierten Fläche zeigt sich jede Unebenheit, und an den Leimlinien zwischen zwei Lagen darf keine Rille stehen bleiben, weil eine Rille im Glanz sofort als dunkler Strich erscheint. Deshalb läuft die Schleiffolge hier über mehr Stufen als bei einer satinierten Schale, und erst danach kommt die eigentliche Politur. Auch die Wölbung muss gleichmäßiger auslaufen, weil der Glanz jede Delle als verzogenen Reflex anzeigt, lange bevor der Finger sie ertastet.
Beim Öffnen spürt man zuerst den Widerstand der Feder und dann, wie er nachlässt, sobald der Klingenfuß über den höchsten Punkt gelaufen ist. Am Anschlag steht die Klinge still, festgehalten von der Vorspannung der Rückenfeder, die sie in dieser Stellung sicher hält. Erkennbar ist die Yatagan-Form am leicht hochgezogenen Ende. Zurück im Griff bremst der Innenanschlag die Klinge ab, bevor die Schneide auf Metall trifft. Die Fase erneuert man am Stein, von Hand und ohne Führung, und Öl gehört weder auf die Klinge noch auf den Griff. Mitgeliefert wird ein Beutel aus Baumwolle mit einem Zertifikat darin, dessen Nummer einmalig bleibt. Eine Gravur nach Wunsch bringt die Manufaktur kostenfrei auf der Klinge an.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers















