Die Maserknolle des Thuja gehört zu den gesuchtesten Griffhölzern überhaupt. Diese Wucherung sitzt am Fuß des Baumes, meist unter der Erde, und was dort an Fasern durcheinandergerät, ergibt später die dichte, wirbelnde Zeichnung, für die dieses Holz unter Messermachern und Kunstschreinern gesucht ist. Die dunklen Punkte darin, im Handwerk Astaugen genannt, sind schlafende Knospen, die nie ausgetrieben haben, und jede sitzt an anderer Stelle. Deshalb fallen selbst zwei Griffe aus derselben Knolle verschieden aus, hier ein enger Strudel um ein Auge, dort ein weit ausholendes Band in Bernstein und Fuchsrot.
Gefertigt wird in der Manufaktur Laguiole en Aubrac in Frankreich, Stück für Stück. Die Klinge aus Balbach-Damast wird geschmiedet und geschliffen, danach tritt das Muster der gefalteten Lagen als helles und dunkles Band hervor, das bei keiner zweiten Klinge gleich verläuft. Platinen und Feder bekommen ihre Guillochierung von Hand, Kerbe für Kerbe, bis eine gleichmäßige Lichtspur über den Rücken steht. Erst danach kommen die Thuja-Schalen an die Reihe, nach ihrer Zeichnung ausgesucht, angepasst und so lange nachgearbeitet, bis die Wirbel ohne Bruch von der einen Seite auf die andere laufen und die Backen aus Edelstahl bündig anschließen.
Im Gebrauch bleibt davon nichts Museales. Die Klinge folgt der Yatagan-Linie, schlank und leicht geschwungen, und arbeitet gegen die Rückenfeder, die sie mit fester Rastung offen hält. Am Brotkorb, am Käse oder an einer Frucht im Freien tut ein handgefertigtes Laguiole Taschenmesser genau das, wofür es gebaut ist. Der Griff nimmt die Handwärme rasch an, und das Thuja wird mit den Jahren nicht blasser, sondern dunkler und tiefer im Ton. So begleitet dieses Damast-Taschenmesser den Alltag über Jahre.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers














