Widderhorn besteht aus Keratin und wächst in Ringen, Jahr für Jahr, und die Kruste ist davon die äußerste Schicht. Dort sitzen die Spuren des Wachstums als flache Wellen, feine Grate und kleine Absätze, die sich unter den Fingern deutlich abzeichnen. Farblich reicht das Feld von einem dunklen Anthrazit über mehrere Graustufen bis zu warmem Creme, oft in Bändern nebeneinander, manchmal ineinander verlaufend. Weil jedes Horn anders wächst und die Schalen aus unterschiedlichen Stellen stammen, gibt es kein Muster, das sich vorher festlegen ließe. Poliert wird der Griff auf Hochglanz, doch das nimmt der Kruste ihr Relief nicht, es macht die Grautöne nur satter.
In Frankreich entsteht jedes dieser Messer in einer Werkstatt und in einer Hand. Zuerst werden die Krustenstücke gepaart, nach Relief und Farbverlauf, damit die beiden Griffseiten zueinander finden. Dann wird abgetragen, vorsichtig und in kleinen Schritten, bis beide Schalen dieselbe Höhe halten und die Backen aus Edelstahl bündig anschließen, ohne dass die gewachsene Unruhe dabei verloren geht. Für die Klinge wird Balbach-Damast geschmiedet und so weit geschliffen, bis das Lagenbild offen liegt, und die Guillochierung folgt danach von Hand, Zug um Zug über Platinen und Feder.
Am Tisch fällt zuerst der Kontrast auf. Die gebänderte Kruste steht neben dem hellen Blitzen der Edelstahlbacken und dem bewegten Bild des Damasts, und keine der drei Flächen nimmt der anderen etwas weg. Aufgeklappt liegt die Yatagan-Klinge in der Verlängerung des Griffs und wird von der Rückenfeder mit fester Rastung gehalten, beim Brot, beim Käse, bei der Wurst. Das Horn nimmt Handwärme an und wird mit der Zeit etwas dunkler, ein handgefertigtes Laguiole Taschenmesser, das den Alltag über Jahre begleitet.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers














