Ein Rinderhorn ist an der Basis hohl und läuft zur Spitze hin voll aus. Genau dieser massive Abschnitt heißt Hornspitze und ist der dichteste Teil des ganzen Horns. Aus ihm lassen sich Schalen sägen, in denen keine Hohlstelle sitzt, und das zeigt sich an der Oberfläche, die eine Politur ohne jede Pore annimmt und sich danach unter den Fingern seidig anfühlt. Die Grundfarbe ist ein tiefes, warmes Schwarz, durch das je nach Stück graue Schleier ziehen, mal als feine Wolke, mal als schmales Band. Wo die Schale dünn ausläuft, geht bei manchen Stücken Licht hindurch, und der Rand bekommt für einen Moment einen bräunlichen Schimmer.
Hinter dieser Oberfläche steckt Handarbeit. In der Manufaktur Laguiole en Aubrac wird das Horn zuerst nach Farbe und Klarheit sortiert, dann werden die Schalen aus dem vollen Teil herausgearbeitet und in vielen Durchgängen immer feiner geschliffen, bis der Hochglanz steht. Daneben entsteht die Klinge aus Balbach-Damast, geschmiedet aus gefalteten Lagen und so bearbeitet, dass das Muster im Stahl selbst liegt und nicht auf ihm. Platinen und Feder erhalten ihre Guillochierung von Hand, und erst zum Schluss werden Horn, Backen aus Edelstahl und Feder so zusammengesetzt, dass die Übergänge unter dem Finger nicht mehr zu spüren sind.
Im Alltag ist das ein unauffälliges Messer, und darin liegt seine Stärke. Der dunkle Griff trägt nicht auf, die Yatagan-Klinge öffnet gegen die Rückenfeder und bleibt durch die feste Rastung sicher in Position, ob am Brot, an der Wurst oder an einer Frucht. Weil Horn ein gewachsener Stoff ist, nimmt die Schale die Handwärme rasch an und legt mit der Zeit eine feine Patina an, die dem Schwarz mehr Tiefe gibt. So begleitet ein handgefertigtes Laguiole Taschenmesser mit Damastklinge den Alltag über Jahre, ohne je laut zu werden.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers














