Ein Backenzahn des Wollhaarmammuts war ein Mahlwerk. Dutzende Schmelzplatten standen darin senkrecht nebeneinander, verkittet durch weicheres Zahnbein, damit die Kaufläche beim Abrieb immer wieder neue Schneidkanten freigab. Wer eine solche Schale im Querschnitt betrachtet, sieht dieses Bauprinzip offenliegen: parallele Bänder, die sich krümmen, auseinanderlaufen, an einer Stelle zusammendrängen. Aus dem Permafrost Sibiriens geborgen, ist das Material spröde und muss vor der Verarbeitung mit Harz durchtränkt und gefestigt werden. Das Blau reicht dabei von einem beinahe schwarzen Ton in den Fugen bis zu milchigen Zonen im Schmelz.
Für einen Griff mit Doppelplatinen ist das die anspruchsvollste Nachbarschaft. Die Rückenfeder wird hier von zwei Paar Platinen gefasst, wodurch der Körper an Breite gewinnt und dem Messermacher vier Stahlflächen zur Verfügung stehen, dazu die Feder und der Klingenrücken. Er feilt sie von Hand aus, oberhalb und unterhalb der Feder als Spiegelbild, sodass eine gerade, regelmäßige Bänderung entsteht. Damit steht ein von Menschenhand gezogenes Linienmuster unmittelbar neben einem, das im Kiefer eines Tieres gewachsen ist. Die satinierte Ausführung hält die Kerben vom Blitzen ab und führt ein gleichmäßiges Licht.
Was in der Klinge liegt, ist ebenfalls eine Schichtung, nur eine geschmiedete: Lage auf Lage Stahl, unter dem Hammer verzogen, bis das Ätzbad die Züge sichtbar macht. Aufgeklappt sitzt sie ohne Spiel in der Rastung und schneidet, wie ein Taschenmesser schneiden soll, sauber durch Schale und Brotrinde, ohne zu reißen. Wer ein solches Stück mitnimmt, hat allerdings nicht nur Werkzeug in der Tasche, sondern ein Fundstück aus dem Eis, das am Tisch fast immer eine Frage auslöst. Und eine Zeichnung, die nach vielen Jahren im Gebrauch noch genauso kühl steht wie am ersten Tag.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers















