Hirschhorn ist genau genommen kein Horn, sondern Knochen: das Geweih, das der Hirsch jedes Jahr abwirft und im Frühjahr neu bildet. Für den Griff verwendet die Manufaktur den dichten, gleichmäßigen Kern der Stange, die einzige Stelle, die sich sauber zu Platten spalten und an das Profil des Griffs anpassen lässt. Weil jede Stange anders wächst, zeigt jeder Griff seine eigene Zeichnung aus Rillen, glatteren Zonen und feinen Farbverläufen. Für ein Sommeliermesser aus Hirschhorn ist das der eigentliche Reiz: Die Natur liefert einen Griff, den keine Serie je wiederholt.
In der Hand meldet sich das Material sofort. Unter den Fingern hat das Geweih die körnige, warme Textur eines gewachsenen Stoffs, ganz anders als glatter Kunststoff oder poliertes Holz. Beim Ansetzen greift die konische Spirale weich in den Korken, der Hebel findet seinen Punkt am Flaschenrand, und der Korken kommt in einer gleichmäßigen Bewegung heraus. Die feinen Rillen der guillochierten Feder liegen dabei als spürbarer Gegensatz unter dem Daumen, und die von Hand gravierte Klinge löst die Kapsel mit einem kurzen Druck. Auch fragile, alte Korken lassen sich so ohne Hast bewegen, ganz im Ruhewillen eines guten Weinservice.
Das Geweih verbindet den Tisch mit der Jagd und dem Wald, aus dem es kommt, eine Verbindung, die zur Handwerkstradition rund um Laguiole seit jeher gehört. In Frankreich formt die Manufaktur jedes Stück von Hand und setzt darauf eine Prestige-Biene, wie sie die Jäger früherer Zeiten kaum für möglich gehalten hätten, so fein ist sie herausgearbeitet. Mit den Jahren wird das helle Geweih eine Spur dunkler und goldener, die Kanten der Rillen glätten sich an den Griffstellen, und der Griff nimmt den Gebrauch als ruhige Patina an. Wer ein handgefertigtes Kellnermesser aus Hirschhorn wählt, bekommt einen Begleiter, der mit jeder geöffneten Flasche mehr Charakter gewinnt.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers















