Aufgebaut ist das Modell so schlicht, wie es überhaupt geht, und darin liegt sein Sinn. Links und rechts der Feder liegt je eine Platine, mehr Stahl steckt im Griff nicht, und deshalb fällt der Schaft schmal aus und das fertige Messer leicht genug, dass die Hosentasche nichts davon merkt. Dazwischen sitzen die beiden Schalen aus poliertem Knochen. Gefasst ist der Griff an Kopf und Fuß von zwei Backen aus Edelstahl, die mit den Platinen verschweißt sind und deshalb abbekommen, was im Lauf eines Tages dagegenstößt: der Schlüsselbund in derselben Tasche, die Kante der Werkbank, der Sturz auf den Küchenboden. Am hinteren Ende steht die Biene, mit der Feder aus einem Stück geschmiedet, und in der linken Schale steckt das eingelegte Hirtenkreuz.
Über den Rücken der Feder zieht sich eine von Hand gefeilte Reihe von Kerben, und geführt wird sie über die volle Länge, bis unter die Schnecke hinunter. Genau dieser letzte Abschnitt verschwindet bei geschlossenem Messer hinter dem Griff, gefeilt wird er trotzdem, weil das Muster sonst mittendrin abrisse. Zu sehen bekommt ihn nur, wer den Korkenzieher ausschwenkt. Beim Zuklappen fängt ein verdeckter Anschlag die Klinge ab, noch bevor die Schneide unten auf dem Federrücken ankommt, und davon hängt ab, wie lange die Schärfe durchhält. Als Weinöffner bleibt das Ganze so einfach, dass daran nichts kaputtgehen kann: drei Windungen Edelstahl und ein Arm, der zieht, dazwischen kein Hebel, kein Gelenk und nichts, was mit der Zeit ausleiern könnte.
Der Unterschied zu einem Sammlerstück zeigt sich weniger beim Öffnen der Flasche als danach. Ein Messer, das nach Vitrine aussieht, wandert zurück in seine Schachtel, sobald der Wein im Glas ist. Dieses hier bleibt draußen. Es kappt die Schnur am Paket, es fährt durch den Klebestreifen am Karton, es teilt den Apfel für unterwegs, und am Wochenende liegt es im Rucksack zwischen Wasserflasche und Regenjacke. Ein heller Griff nimmt das gelassener auf als ein dunkler, denn was Holz nach Jahren als matte Stelle zeigt, geht auf Cremeweiß im Grundton unter. Fällt der Griff einmal auf Fliesen, hält sich der Schrecken ohnehin in Grenzen. Beide Schalen eines Messers werden aus derselben Platte gesägt, weshalb linke und rechte Seite zueinander passen, das Stück daneben im Regal aber nicht zwingend.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers













