Was diese Ausführung von den polierten Modellen der Reihe trennt, zeigt sich erst unter einer Lampe. Nichts daran antwortet dem Licht. Satiniert geschliffen bleibt der Griff matt, matt bleiben ebenso die beiden Backen an seinen Enden, und der blassgrüne Ton des Holzes tritt so weit zurück, dass er aus zwei Schritten Abstand kaum als Farbe durchgeht. Auf einer Tischdecke bleibt dieses Messer unauffällig, im Handschuhfach ohnehin. Dazu passt die schmale Bauart. Die Feder ruht zwischen einer einzigen Platine links und einer rechts, mehr Stahl liegt zwischen den Schalen nicht, und daraus folgen ein flacher Rücken und ein leichtes Messer, von dem die Hosentasche nach wenigen Tagen nichts mehr meldet. Genau darum wandert es morgens mit, ohne dass jemand darüber nachdenkt.
Im Gebrauch verlangt das Modell nichts Besonderes. Die Klinge teilt Brot, schneidet Wurst vom Stück, schält einen Apfel und kappt die Schnur am Paket. Steht eine Flasche auf dem Tisch, löst dieselbe Klinge zuerst die Kapsel, danach kommt die Schnecke an die Reihe. Als Weinöffner setzt dieses Laguiole allein auf die Spirale und auf den Zug aus dem Handgelenk, ein Hebelwerk gibt es nicht. Über den Rücken der Feder läuft dabei eine Reihe feiner Kerben, jede mit der Feile gesetzt, und sie hört erst unter der Schnecke auf. Der unterste Abschnitt liegt bei geschlossenem Messer hinter dem Holz verborgen und kommt erst zum Vorschein, wenn der Korkenzieher ausschwenkt. Gefeilt wird er dennoch, Kerbe um Kerbe, weil eine Reihe, die kurz vor dem Ende abbricht, sofort ins Auge fällt.
Ein Messer, das jeden Morgen mitgeht, bekommt einiges ab, und getroffen werden zuerst die Enden des Griffs. Dort schließen zwei Backen aus Edelstahl das Holz ab, an die Platinen geschweißt und dadurch belastbar genug für den Stoß gegen eine Türklinke oder den Fall vom Regal auf Fliesen. Beim Zuklappen fängt ein innen liegender Anschlag die Klinge ab, bevor deren Schneide den Federstahl erreicht, und davon hängt die Standzeit der Schärfe ab. Was das helle Holz beisteuert, merkt man erst beim Suchen. Zwischen dunklen Griffen auf dem Küchenbrett oder am Boden einer Umhängetasche meldet sich Sandfarben schneller als Schwarz, und weil die grünen und rötlichen Bahnen auf keinen zwei Schalen gleich verlaufen, greift beim Picknick jeder nach dem eigenen Stück.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers













