Was dieses Holz von allen anderen trennt, lässt sich auf keinem Foto zeigen. Wacholder riecht, harzig und eine Spur nach Kiefernzapfen, und er hört damit nicht nach ein paar Monaten auf. Das Harz steckt tief in der Faser, bei Zimmertemperatur gibt es fast nichts ab, und erst die Wärme einer geschlossenen Faust holt es wieder nach oben. Nach Jahren im Gebrauch ist der Geruch immer noch da. Weil dieser Vorzug allein beim Anfassen entsteht, kommt er hier stärker zum Tragen als an den breiteren Wacholdergriffen der Reihe, die mit doppelten Platinen oder mit Messing an den Enden eher auf dem Tisch liegen bleiben. Getragen wird der Aufbau von zwei Platinen, einer links und einer rechts, mehr Metall kommt zwischen die Schalen nicht, und daraus folgen ein flacher Schaft und ein leichtes Stück, das in der Hosentasche über Stunden nichts von sich hören lässt.
Am Tisch fängt es meist bei der Flasche an. Die Spitze der Klinge löst den Rand der Kapsel, dann dreht die Schnecke aus dem Rücken heraus, findet die Mitte des Korkens und geht so tief hinein, bis die unterste Windung greift. Als Weinöffner arbeitet dieses Laguiole ohne Hebelwerk und ohne Anlage am Flaschenhals, der Zug kommt aus dem Arm allein. Wer dabei genauer hinsieht, findet am Rücken die Reihe der Kerben, mit der Feile gesetzt und über die volle Länge der Feder geführt, bis hinunter unter die Schnecke. Zugeklappt liegt dieses letzte Stück hinter dem Holz und bekommt trotzdem dieselbe Arbeit ab wie alles davor. Zuletzt geht das Messer zu, ohne dass die Schneide irgendwo aufsetzt, denn ein Anschlag tief im Griff nimmt sie vorher auf.
Was unterwegs dagegenschlägt, trifft zuerst auf Metall. Den Abschluss oben wie unten übernehmen zwei Backen aus Edelstahl, mit den Platinen verschweißt, und deshalb nehmen sie hin, was ein Tag so mitbringt: das Wechselgeld daneben, den Rand einer Werkbank, einen Fall auf Beton. Aufblitzen kann an diesem Modell nichts, denn der Stahl trägt denselben matten Schliff wie das Holz, und auf einer Fläche ohne Reflex bleibt kein Fingerabdruck stehen. Der helle Grund zieht über die Jahre ins Bernsteinfarbene, während die dunklen Astaugen sich kaum verändern, und feine Striche gehen in der unruhigen Zeichnung unter. Hinten steht die geschmiedete Biene, links in der Schale liegt das eingelegte Hirtenkreuz, und auf Wunsch kommt zusätzlich ein Name in den Stahl.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers








