Ein Rebstock wächst gegen den Schnitt. Jedes Jahr wird er zurückgenommen, jedes Jahr treibt er neu aus, und über die Jahrzehnte entsteht daraus ein verdrehter, narbiger Körper, in dem sich Wachstum und Rückschnitt abwechselnd eingeschrieben haben. Genau das sieht man dem Griff an: dunkle Knoten, an denen ein Trieb saß, dazu Zonen, in denen die Fasern seitlich ausweichen und eine wolkige, goldbraune Fläche bilden. Brauchbar ist nur der stärkste Teil des Stocks, und weil kein Stock wie der andere gewachsen ist, muss jede Schale einzeln zugeschnitten und beurteilt werden. Ein regelmäßiges Muster ist von diesem Holz nicht zu bekommen, und darin liegt der Reiz.
Der Stahlbau fängt diesen unruhigen Wuchs auf. Zwei Paar Platinen umschließen die Feder und geben dem Messer einen breiteren, ruhig gebauten Körper, in den das Holz eingesetzt wird, statt selbst tragen zu müssen. Auf dem so verbreiterten Rücken entfaltet die Guillochierung ihre volle Länge: gleichmäßige Reihen, mit der Feile gezogen, die über die vier Stahlflächen bis auf den Klingenrücken durchlaufen und sich auf der Unterseite spiegeln. Wo das Rebholz gewachsen und unregelmäßig ist, antwortet der Stahl mit einem Takt, den nur eine geübte Hand so gleichmäßig hinbekommt, und die Backen aus Edelstahl schließen beides sauber ab.
Am Ende ist das ein Messer für Leute, die wissen, woher ihr Wein kommt. Es passt zum Brot, zur Wurst und zum Käse, die beim Umtrunk im Keller auf dem Fass liegen, und es macht sich gut, wenn zur Weinlese schnell etwas geschnitten werden muss. Die Klinge kommt mit einem hörbaren Einrasten in Position, die Rückenfeder hält sie dort. Wer das Messer über Jahre mitnimmt, hat irgendwann ein Stück Weinberg in der Tasche, das älter ist als die Reben, die heute auf der Parzelle stehen.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers














