Poliertes Horn hat keine offenen Poren, und das merkt man erst im Gebrauch. Saft vom Apfel, ein feuchter Daumen, Staub vom Armaturenbrett: Nichts davon zieht ein, weil unter der Oberfläche keine Faser offen steht, in die etwas hineinkönnte. Ein Wisch am Hosenbein reicht, und die Schale steht wieder da wie vorher. Eine Fläche, die sich nicht vollsaugt, verzeiht unterwegs eine Menge, und Fingerabdrücke sind das Einzige, was sie überhaupt festhält. Auch Geruch bleibt nicht hängen. Wer damit Zwiebeln teilt, hat am Tag darauf keinen Griff, der noch davon erzählt.
Was die Hand an diesem Messer berührt, sind drei Werkstoffe. Vorn die Backe aus Messing, dann die Schale, hinten die zweite Backe, darüber der Rücken mit der Feder. Diese Feder besteht aus Edelstahl und ist von Hand gefeilt, Kerbe an Kerbe über die ganze Länge, bis sie hinten in die geschmiedete Biene übergeht. Die Platinen darunter sind einfach ausgeführt, eine je Seite, ebenfalls aus Messing. In der linken Schale steht das eingelegte Hirtenkreuz. Beim Zuklappen hält ein Anschlag im Inneren die Schneide an, bevor sie die Feder erreicht. Überschliffen werden Metall und Schale gemeinsam, weshalb an der Fuge zwischen Backe und Horn keine Stufe unter der Fingerkuppe auftaucht.
Unterwegs ist so ein Messer oft das einzige Werkzeug an Bord. Es teilt das Brot auf dem Rastplatz, öffnet eine Tüte, trennt den Faden an einem Etikett, schält am Abend die Frucht vom Marktstand. Die Klinge ist in der geschwungenen Yatagan-Linie geschliffen und lässt sich auf jedem Stein nachziehen, sobald sie nachlässt. Zusammengesetzt wird jedes dieser Messer in einer französischen Werkstatt, Schale für Schale von Hand an die Platinen angepasst, weil kein Hornabschnitt dem nächsten in der Stärke gleicht. Für die Tasche spricht dabei die schmale Form, denn ohne zweites Teil im Griff baut dieses Modell flach und drückt auch dann nicht, wenn es quer im Sitz landet.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers

Laguiole en Aubrac Messerschärfer












