Im Griff steckt nichts außer der Klinge. Keine Schnecke, kein zweites Blatt, kein Kapselheber, und deshalb bleibt der Rücken schmal genug, dass das Messer in einer Hosentasche nicht aufträgt. Die Klinge trägt die Yatagan-Form, wie das Haus sie seit jeher schneidet: hinten breit, zur Spitze hin schlank, mit leichtem Schwung im Rücken. Beim Öffnen rastet sie trocken ein. Zugeklappt hält ein Anschlag im Griffinneren die Schneide von der Feder fern, und deshalb muss der Schliff seltener aufgefrischt werden. Brot am Wegrand, ein Apfel, die Schnur um ein Paket: dafür braucht es ein Blatt und sonst nichts.
Nicht nur die Schalen sind matt. Feder, Platinen, Backen und Klinge tragen denselben Schliff, sodass das ganze Stück gleichmäßig matt bleibt und keine Fläche eine andere übertönt. Für die Guillochierung ändert das die Leserichtung: Auf einer spiegelnden Fläche meldet sich zuerst der hellste Punkt, hier meldet sich zuerst der tiefste Schatten. Die Kerben stehen als Rillen da, abzählbar, mit klaren Rändern, und beim langsamen Kippen wandert kein Lichtspiel über den Rücken, sondern es bleibt eine Zeichnung stehen. Dasselbe gilt für die Übergänge: Wo Holz an Stahl stößt, verläuft die Linie so gerade, wie die Feile sie gelassen hat, und kein Glanz hilft darüber hinweg.
Im Alltag zahlt sich die matte Fläche ein zweites Mal aus. Ein Abdruck vom Daumen zeichnet sich darauf kaum ab, und was doch bleibt, nimmt ein trockenes Tuch weg. Feine Schrammen, wie ein Schlüsselbund in der Jackentasche sie hinterlässt, legen sich in die Schleifrichtung und verlaufen darin, statt als helle Spur quer über einer Backe stehen zu bleiben. Das Holz verlangt am wenigsten: nach dem Gebrauch trocken abreiben und nichts über Nacht im Spülwasser liegen lassen. So sieht das Messer nach Jahren gebraucht aus, nicht ramponiert.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers

Rotes Etui für Laguiole Taschenmesser












