Schlangenholz wächst in den Regenwäldern des nördlichen Südamerika und gehört zu den dichtesten Hölzern, die überhaupt verarbeitet werden. Die Stämme bleiben schlank, das nutzbare Kernholz ist schmal, und nur ein Teil davon zeigt die typische Fleckung, weshalb dieses Holz seit jeher in kleinen Mengen auf den Markt kommt. Der Instrumentenbau kennt es gut: Für Bogenstangen und Frösche wurde Schlangenholz über Jahrhunderte ausgesucht, weil es feinporig ist, sich sauber schneiden lässt und seine Form hält. Ein Griff daraus quillt nicht, verzieht sich nicht und behält die Kante scharf, an der das Holz auf die Backen aus Edelstahl trifft.
Die Guillochierung entsteht von Hand. Der Messermacher setzt das Werkzeug am Rücken an und arbeitet Zug um Zug, bis die Linie über Platinen und Feder gleichmäßig durchläuft und bis zur Biene reicht. Der Griff entsteht in einem eigenen Arbeitsgang: Zwei Schalen aus demselben Riegel werden nach ihrer Fleckung gepaart, damit das Muster über den Rücken hinweg zusammenpasst, und danach einzeln an die Platinen angelegt. Weil Schlangenholz hart und zugleich spröde ist, verträgt es beim Ausarbeiten wenig Druck und braucht dafür Zeit, bis die Fläche ohne Riefen steht und die Flecken darunter klar bleiben.
Benutzt werden darf dieses Damast-Taschenmesser trotz allem Aufwand, und es verträgt das gut. Die Rückenfeder hält die geöffnete Klinge in fester Rastung, die Yatagan-Form läuft schmal aus und kommt an einen Apfel ebenso heran wie an eine Paketschnur, und geschlossen bleibt das Messer flach genug für die Hosentasche. Schlangenholz nimmt kaum Feuchtigkeit auf und dunkelt mit den Jahren leicht nach, sodass die Fleckung an Kontrast gewinnt, statt zu verblassen. Gebrauchsspuren setzen sich hier also nicht als Verschleiß, sondern als Farbe ab.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers














