Der Olivenbaum wächst langsam und selten gerade. Er setzt Äste an, dreht sich im Stamm, legt in trockenen Jahren kaum zu und in feuchten umso mehr, und genau davon lebt die Zeichnung: Die Ringe liegen eng beieinander, schieben sich ineinander und laufen um jeden Astansatz herum, statt ihn zu durchqueren. Dazu kommt die Farbe, ein Wechsel aus Elfenbein, Honig und fast schwarzen Adern, den kein anderes europäisches Holz so zeigt. Zwei Griffschalen fallen deshalb nie gleich aus, selbst wenn sie aus demselben Block geschnitten wurden. Wer zwei dieser Messer nebeneinanderlegt, sieht es sofort: hier ein ruhiges Band, das über die ganze Länge durchläuft, dort ein Wirbel, der sich um einen alten Astansatz dreht.
Die satinierte Oberfläche ist eine Entscheidung für das Holz. Geschliffen wird in eine Richtung, Durchgang für Durchgang feiner, bis die Fläche seidenmatt steht und die Faser geglättet wirkt statt überzogen. Hochglanz würde hier vor allem sich selbst zeigen, das Satinierte dagegen legt die Äderung frei und lässt sie bei jeder Bewegung anders ablaufen. Für den Griff sucht der Messermacher zwei Schalen, deren Adern in dieselbe Richtung ziehen, passt sie an die Backen aus Edelstahl an und nimmt die Kante so weit zurück, bis Holz und Metall in einer Ebene liegen.
Als Damastmesser für die Tasche gehört dieses Modell nicht in die Vitrine, sondern zur Brotzeit im Freien. Die feste Rastung hält die Klinge im geöffneten Stand, wenn ein Laib quer durchgeschnitten wird, und die schmale Yatagan-Spitze löst danach ohne Mühe einen Pfirsichkern heraus. Olivenholz nimmt solche Nachmittage gut auf, es ist von Natur aus ölhaltig und bleibt maßhaltig, wo andere Hölzer quellen. Nach Jahren steht sein Ton tiefer als am Anfang, goldbraun statt hell, und die Adern zeichnen sich dabei eher deutlicher ab.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers














