Einteilig gebaut, allein die Klinge: sonst steckt nichts in diesem Griff. Kein zweites Werkzeug beansprucht den Raum hinter dem Holz, keine Schnecke, keine Ahle, kein Hebel. Was von außen nach Verzicht aussieht, ist die Bedingung für die Arbeit am Rücken. Die Feder zieht in einem einzigen Bogen vom Kopf bis zum Ende durch, und die Feile kann ihr Muster darüber laufen lassen, ohne an einer Aussparung abzusetzen und ein Stück weiter neu anzufangen. Hinten geht die Feder in die Biene über, ein einziges Stück Stahl für beides, ohne Lötnaht dazwischen. Gegen das Licht gehalten zeigt der Rücken deshalb eine Linie, die nirgends abreißt.
Gefeilt wird von Hand, und genau das lässt sich an der fertigen Reihe ablesen. Jede Kerbe steht für einen eigenen Zug, die Abstände halten sich, ohne millimetergenau gleich zu sein, und an keiner Stelle wiederholt sich das Muster so stur, wie ein Prägestempel es täte. Auf vier Flächen wächst der Aufwand entsprechend, denn was an der oberen Kante angelegt ist, braucht unten seine Entsprechung, sonst gerät der Griff aus der Ordnung. Deshalb gilt dieses Feilwerk in der Werkstatt als Handschrift des Messermachers. Zwei Griffe aus derselben Woche tragen dieselbe Machart und trotzdem nicht dasselbe Bild.
Benutzt wird es wie jedes gute Taschenmesser. Die Klinge folgt dem Yatagan-Schnitt, ein leicht geschwungener Rücken, der in eine schmale Spitze ausläuft, brauchbar für die Scheibe Brot ebenso wie für den Apfel am Nachmittag oder die Schnur um ein Paket. Beim Schließen erreicht die Schneide den Federstahl nie, weil ein Anschlag im Inneren sie vorher auffängt, und darum bleibt der Schliff über Jahre da, wo er hingehört. Zugeklappt verschwindet der Griff wieder in der Manteltasche.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers













