Ein Astauge ist nichts anderes als der angeschnittene Fuß eines Zweigs. Über den größten Teil der Schale läuft die Faser der Länge nach, und der Schliff ergibt dort lange, ruhige Linien. Am Ansatz dagegen hat die Säge quer durch einen zweiten Wuchs geschnitten, und dessen Ende steht nun als ovale Fläche im Bild, dunkler getönt, von Harz durchsetzt, ringsum umflossen von Fasern, die dem Hindernis ausweichen mussten. Auf einer so schmalen Fläche nimmt ein einziger solcher Punkt viel Raum ein. Er entscheidet, wohin der Blick zuerst geht, und weil am nächsten Stück kein Zweig an derselben Stelle saß, fällt er dort auf eine andere Stelle.
Die meisten Griffhölzer kommen aus dem Wald. Dort sterben die unteren Zweige im Schatten ab, der Stamm überwallt sie, und was Jahrzehnte später aus ihm gesägt wird, liegt weit außen und bleibt sauber. Der Wacholder lebt anders. Er steht frei, auf Kalk, in der Heide, im Wind, behält seine Zweige bis zum Boden und überwächst keinen davon. Dazu biegt und dreht er sich, sodass eine gerade Strecke selten weit reicht. Für die Werkstatt folgt daraus eine ungewohnte Rechnung. Ein Abschnitt ohne Astansatz bleibt die Ausnahme, und die Frage lautet nicht, wie sich der Ansatz vermeiden lässt, sondern wo er auf der fertigen Schale zu liegen kommt.
Der Stahl ringsum folgt einer anderen Ordnung. Geschnitten ist die Klinge nach der Yatagan-Linie, schmal, mit sanft ansteigendem Rücken, und beim Aufklappen fällt sie mit einem trockenen Ton in ihre Lage. Zugeklappt setzt die Schneide nirgends auf, weil ein innen liegender Anschlag sie vorher abfängt und von der Feder fernhält. An beiden Enden des Griffs sitzt je eine Backe aus Edelstahl, matt geschliffen wie das Holz daneben. Am Brot, am Apfel, an der Schnur eines Pakets tut dieses Messer seine Arbeit, und danach liegt es flach neben dem Teller.
Handgefertigt im Aveyron, der Heimat des Laguiole-Messers

Laguiole Taschenmesser Etui - genarbtes Leder braun












